DDR-Grenzturm

DDR-Grenzturm in Kühlungsborn
DDR-Grenzturm in Kühlungsborn

Früher nicht zugänglich - heute offen für alle Interessierten: In Kühlungsborn steht einer der letzten von ehemals 27 Grenztürmen an der Ostseeküste. (Ein weiterer ist im rund zehn Kilometer östlich gelegenen Küstenort Börgerende erhalten.)

Besuchen Sie den Kühlungsborner Grenzturm und wagen Sie den etwas anstrengenden Aufstieg! Sie werden mit einem schönen Ausblick über Strand und Ostsee entschädigt.

Geschichtliche Führungen bringen Ihnen die Techniken der Grenz­überwachung näher. Eine Ausstellung vermittelt Hintergrund­wissen und dokumentiert verschiedene Fluchtversuche.

Kanzel des Grenzturms
DDR-Grenzturm in Kühlungsborn
Exponat der Ausstellung

Rückblick

1961 wurde die innerdeutsche Grenze errichtet, an der Küste entstanden nach und nach insgesamt 27 Beobach­tungstürme. Der Kühlungsborner Grenzturm wurde 1972 gebaut.
Die Türme dieser Art dienten in der DDR hauptsächlich dazu, die Flucht von DDR-Bürgern über den Seeweg zu verhindern. Viele „Republik­flüchtlinge“ wollten mit Schlauch­booten, Luft­matratzen oder selbst­gebautem U-Boot über die Ostsee in den „Westen“ fliehen. Die meisten Versuche endeten tragisch.

So ein Beobachtungsturm war für eine Besatzung von vier Soldaten ausgelegt. Zur Grund­ausrüstung zählten der Anschluss an das Grenz­meldenetz, Schein­werfer, ein Not­strom­aggregat, Heizung und eine Funkanlage. Unterhalb der Fenster sehen Sie noch die verschließbaren Schießscharten.

Aus 15 Metern Höhe suchten Grenz­soldaten ein zwölf Seemeilen weites Gebiet nach Flüchtenden ab. Mit dem Fernrohr beobachteten sie das Wasser und den Strand nach Auffälligem und protokollierten jede verdächtige Bewegung. Nachts strich der Strahl des starken Such­scheinwerfers weit über den Ostsee­strand und das Meer, denn ab Sommer 1972 war ein nächtlicher Strandbesuch gesetzlich verboten.

Grenzgebiet „Küste“

Per Gesetz vom 18. Juli 1972 wurde ein fünf Kilometer breiter Streifen entlang der gesamten ostdeutschen Ostsee­küste als Grenzzone erklärt. Das brachte Reglementierungen mit sich, die heute kaum noch vorstellbar sind:

  • Personen, die sich dort mehr als zwei Tage aufhalten wollten, mussten sich innerhalb von 24 Stunden bei der zuständigen Stelle der Deutschen Volkspolizei anmelden.
  • Urlaubsgäste durften nur mit Genehmigung des zuständigen Rates der Gemeinde oder der Stadt beherbergt werden.
  • Schlauch- und Faltboote durften nur tagsüber benutzt werden. Wenn Mitarbeiter der Unterkünfte feststellten, dass die Gäste solche Boote mitgebracht haben, hatten sie das ihren Vorgesetzten zu melden.
  • Der Aufenthalt am Strand war in der Nacht verboten.
  • Das Übernachten außerhalb des Zeltplatzes, in Gartenlauben oder Pkws war untersagt.
  • Auszüge aus der Grenzordnung wurden in mehreren Sprachen ausgehängt. Zudem fand eine regelmäßige Belehrung der Gäste über das „ordnungsgemäße Verhalten im Grenzgebiet“ statt.

Nach der „Wende“

Mit der politischen Wende 1989, dem Fall der Mauer und der Wieder­vereinigung Deutschlands im Oktober 1990 hatte auch der Kühlungsborner Grenz­sicherungsturm seine Funktion verloren. Kühlungsborner Stadt­vertreter und Einwohner bewahrten den Turm vor dem Abriss und erhielten ihn als Denkmal. Ein 2002 gegründeter Verein restaurierte schrittweise die Turmanlage und das Umfeld und bietet heute regelmäßige Führungen an.


Öffnungszeiten:

Oktober bis Mai
Dienstag und Freitag 14:00-17:00 Uhr

Juni bis September
Dienstag, Mittwoch und Freitag 14:00-17:00 Uhr

Besichtigungen und Führungen sind auch nach Anmeldung unter Tel. 0152 07482939 möglich.

Außenausstellung
Auf dem Außenbereich informieren Sie zahlreiche Schautafeln zur Thematik. Der Bereich ist 24 Stunden geöffnet.

Anschrift/Kontakt

Ostsee-Grenzturm Kühlungsborn
Ostseeallee 1a
18225 Kühlungsborn

038293 14020

(alle Angaben ohne Gewähr, Änderungen vorbehalten)