Kirche zu Graal-Müritz

In Graal und Müritz hielten um 1900 Kurprediger ihre Gottesdienste in Hotels. Das ver-
anlasste den Oberkirchenrat, im Jahre 1903 den Großherzog um Hilfe beim Bau einer Kirche zu bitten. Der Geheime Hofbaurat Gotthilf Ludwig Möckel entwarf die "Kirche zu Graal-Müritz".
1907 gab Friedrich Franz IV., der letzte Großherzog von Mecklenburg-Schwerin den Auftrag zum Bau der evangelischen Kirche. Im Frühling 1908 begann der Kirchenbau und war nach nur einem halben Jahr fertiggestellt. Kirche

Bei dem Backsteinbau im neu-romanischen Stil fällt auf, dass der Turm statt wie üblich an der Westseite an der Ostseite steht. Er wurde in die Achse der von Müritz kommenden Straße gelegt. So befindet sich der Turm über dem Chorraum und ist wie das Schiffsdach mit roten Zungensteinen versehen.

Das Schiff ist 15 m lang. Geschlossen durch ein spitz-
bogiges Tonnengewölbe aus gehobelten und gestäb-
ten Brettern erinnert diese Form an ein mit dem Kiel nach oben gelegtes Boot.

Im Osten schließt sich der Chorraum mit der Altarnische durch einen Triumphbogen an das Schiff an. Er ist mit einem massiven Kreuzgewölbe abgeschlossen. An der Nordseite des Chorraumes befindet sich die Sakristei. Durch das Treppenhaus an der südlichen Seite gelan-
gen Sie auf einer Sandsteinpodesttreppe zur Seiten-
empore, Holzstufen führen zur Glockenstube.

Nachdem in den beiden Weltkriegen die Glocken für Kanonen eingeschmolzen wurden (ausgenommen die kleinste der Glocken), konnten in den 50er Jahren wieder 2 Bronze-
glocken "Jesus lebt und Jesus siegt" und "Marana tha - Unser Herr kommt" eingehängt werden.
Altar

Ursprünglich war die Kirche mit mehr Ornamenten ausgemalt, als Sie jetzt sehen können. Bei der Renovierung 1966 wurde die Malerei im Jugendstil überstrichen und die farbigen Bleiglasfenster hinter dem Altar zugemauert. Erst die Renovierungen 1982 legten einen Teil der Malerei und die Bleiglasfenster wieder frei.

Das lebensgroße Kruzifix über dem blattvergoldeten Altaraufsatz beherrscht den gesamten Kirchenraum.

Der Taufstein aus Sandstein besitzt eine schöne Taufschale, die in ihrer Mitte die Taufe Jesu durch Johannes den Täufer zeigt.

Zur Kirche gehören u. a. ein Ölgemälde von Friedrich Franz IV., ein Segelschiff-Modell von Fred Mahler und ein Christophorus-Gemälde von Helmut Maletzke. Eine Besonderheit in dieser Kirche sind die fast lebensgroßen Krippenfiguren, die Gerhard Torner
ab 1994 für die Kirche schnitzte.
Orgel

Die pneumatische Orgel hat 2 Manuale und Pedal. Sie wurde 1953 von der Orgelbaufirma W. Sauer überholt und klanglich verändert.
Die "Mecklenburgische Kirchenzeitung" schrieb damals dazu: "Der schreiende, grobe und zu-
gleich säuselnde Klang der Orgel war ... ein Ärgernis." Nun konnte die Gemeinde endlich die Werke hören, die ihr bis dahin vorenthalten werden mussten.

Eine Generalüberholung erfolgte 1993 bis 1997.
Seit 1995 wird regelmäßig Orgelmusik gespielt.

Wesentlich länger als der Kirchenbau dauerte die Vereinigung der beiden Orte zu einer Gemeinde. In den Gottesdiensten saßen die Müritzer im nördlichen, während die Graaler das südliche Seitenschiff für sich beanspruchten. Durch die Urlauber, die sich ihre Plätze frei wählten, hob sich die Sitzordnung nach und nach auf.

Die Katholische Kirche St. Ursula befindet sich in der Ribnitzer Str. 1a. nach oben