Poeler Kogge

Das Wrack der Poeler Kogge

An der Westküste der Insel Poel spülten Stürme 1997 und 1998 bei Timmendorf Teile von einem großen mittelalterlichen Wrack an den Strand. Untersuchungen ergaben, dass das Holz aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts aus der baltischen Region um Thorn stammt.

1999 wurde nordwestlich der Timmendorfer Mole ein Wrack lokalisiert. Der zu 60 Prozent erhaltene Schiffskörper ist einer der bedeutendsten Funde der Schiffsarchäologie. Die bis dahin unbekannte baltische Kogge war 31,50 Meter lang und konnte damals bereits über 200 Tonnen Ladung fassen.

Bergung der Poeler KoggeBergung der Poeler Kogge

Der aufwändige Nachbau

Im Alten Hafen in Wismar bauten beherzte Männer in einer provisorischen Werft die Poeler Kogge nach. Die Handwerkskunst der Bootsbauer des 14. Jahrhunderts rang ihnen großen Respekt ab: Die längste Planke ist immerhin 11 Meter lang, 50 Zentimeter breit und 60 Millimeter stark. Jede Planke wurde in Handarbeit von beiden Seiten mit dem scharfen Dechsel, einem sogenannten "Querbeil", bearbeitet.

Damals gab es noch keine Sägen, Hobel und dergleichen. Ziel war es, den Planken das Aussehen wie vor 650 Jahren zu geben. Sobald eine Planke fertig gedechselt war, musste sie für zwei Stunden in den Dämpfkasten. Die 85 Grad Celsius heiße, harzige Planke wurde mit Holzzangen und Schraubzwingen am letzten Plankengang festgemacht. Erst nach zwölf Stunden sprang sie nicht mehr aus der Form.

Bevor jede Planke genau anliegt, musste sie vier bis fünf Mal abgenommen und gedechselt werden – Schwerstarbeit! Die letzte Plankenreihe besitzt die stattliche Höhe von 4,80 Meter. Dazu wurde die Halle um 1,20 Meter angehoben und aufgestelzt.
Der imposante Nachbau der Kogge wird durch 16 000 handgeschmiedete Edelstahlnägel zusammen gehalten. Edelstahl gab es zwar im 14. Jahrhundert nicht, aber Eisennägel wurden damals schon verwendet.
Bau der Poeler KoggeBau der Poeler Kogge

In ihrem Element: Die Kogge findet ihren Platz

20 000 Besucher kamen am 29. Mai 2004 zum feierlichen Stapellauf. Der Nachbau wurde auf den stolzen Namen "Wissemara", benannt nach einem kleinen Bach östlich der Stadt, getauft. Danach hob ein Kran die Kogge ins Wasser.
Nach dem Stapellauf wurden die Innenausbauten wie im Mittelalter auf dem Wasser im Hafen in Angriff genommen. Abweichend von der Historie erhielt das Schiff unter Deck einen Maschinenraum, Unterkünfte und Aufenthaltsräume. Im Achterkastell befinden sich Räume für die Schiffsführung, Navigationsraum, Kombüse, Lasten- und Stauräume.
Die "Poeler Kogge" wird durch den gleichnamigen Förderverein betrieben. Sie liegt als Museumsschiff im Hafen von Wismar und dient im Rahmen von maritimen Höhepunkten als "Kultureller Botschafter zur See". Für Jugendliche werden erlebnispädagogische Reisen angeboten.
WissemaraWissemaraWissemara

Heiraten auf der "Wissemara"

Die Poeler Kogge ist eine offizielle Außenstelle des Standesamtes Wismar. Hier wird Ihre Hochzeit einfach unvergesslich: Trauen Sie sich in der maritimen Atmosphäre der Poeler Kogge! Nach der Trauung können Sie auf dem Schiff feiern, mit oder ohne Ausfahrt – die Kogge bietet ausreichend Platz für eine große Hochzeitsgesellschaft. 2014 haben insgesamt 20 Paare die einmalige Gelegenheit genutzt, und sind mit der Kogge sprichwörtlich "in den Hafen der Ehe eingelaufen".

Für Terminabsprachen und weitere Informationen rund um die Planung nehmen Sie bitte mit dem Förderverein Poeler Kogge e.V. und dem Standesamt Wismar Kontakt auf:

Poeler Kogge e.V. – Tel. 03841 304310
Standesamt Wismar – Tel. 03841 2511056

Erneute Untersuchungen der Wrackteile

Nach neueren Erkenntnissen soll das vor Poel gefundene Wrack deutlich jünger sein, als anfangs vermutet. 2010/11 ergaben dendrochronologische Untersuchungen, dass das verwendete Holz aus dem Jahr 1773 stammen könnte.
Allerdings war die Bauweise der Kogge zu dieser Zeit bereits ein paar hundert Jahre überholt...

Bauweise der Koggen

Die Koggen waren bis etwa Ende des 14. Jahrhunderts der bedeutendste Schiffstyp der Hanse. Die Planken der Koggen wurden anfangs geklinkert (Klinkerbauweise) – sie überlappten sich also. Später setzte sich die Kraweelbauweise durch – hier liegen die Planken glatt nebeneinander. Ein Beispiel für den Nachbau einer Kogge in Kraweelbauweise ist die "Lisa von Lübeck".
Die Koggen hatten einen Mast und ein Rahsegel, konnten große Lasten transportieren, waren relativ schnell - dabei aber sehr von der Windrichtung abhängig, da sie kaum gegen den Wind kreuzen konnten.
Ab dem 17. Jahrhundert baute man zunehmend längliche Kielschiffe mit zwei und mehr Masten, die Segelform veränderte sich deutlich. Die Schiffe waren manövrierfähiger, konnten besser raumen Wind ausnutzen, höher am Wind segeln – also schräg gegen den Wind – und teilweise noch mehr Lasten transportieren.
Übliche Schiffstypen ab dem 15. bis 17. Jahrhunderts waren die Zeese, Ketsch und Brigantine, im 18. Jahrhundert der Logger.

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