Poeler Kogge

An der Westküste der Insel Poel spülten Stürme 1997 und 1998 bei Timmendorf Teile von einem großen mittelalterlichen Wrack an den Strand. Untersuchungen ergaben, dass das Holz aus der ersten Hälfte des 14. Jh. aus der baltischen Region um Thorn stammt.
Nach neuesten Erkenntnissen könnte das Wrack jedoch deutlich jünger sein. 2010/11 ergaben dendrochronologische Untersuchungen, dass das verwendete Holz vermutlich aus dem Jahr 1773 stammt.
Bergung der Poeler KoggeBergung der Poeler KoggeBergung der Poeler Kogge
Nordwestlich der Timmendorfer Mole wurde 1999 ein Wrack lokalisiert. Der zu 60 Prozent erhaltene Schiffskörper ist einer der bedeutendsten Funde der Schiffsarchäologie.
Die bis dahin unbekannte baltische Kogge war 31,50 m lang und konnte bereits 1354 über 200 Tonnen Ladung fassen.
Bau der Poeler KoggeBau der Poeler KoggeBau der Poeler Kogge
Planke  
Im Alten Hafen in Wismar bauen beherzte Männer in einer provisorischen Werft die Poeler Kogge nach. Die Hand-
werkskunst der Bootsbauer des 14. Jahrhunderts ringt ihnen großen Respekt ab.

Die längste Planke ist immerhin 11 m lang, 50 cm breit und 60 mm stark. Jede Planke wird in Handarbeit von beiden Seiten mit dem scharfen Dechsel, einem so genannten Querbeil, bearbeitet.

Damals gab es noch keine Sägen, Hobel und dergleichen. Sinn dieser Mühe ist es, den Planken das Aussehen wie vor 650 Jahren zu geben.

Wenn die Planke fertig gedechselt ist, kommt sie für zwei Stunden in den Dämpfkasten.


Halle Die 85° C heiße, harzige Planke wird mit Holzzangen und Schraubzwingen am letzten Plankengang fest-
gemacht. Nach 12 Stunden springt sie nicht mehr aus der Form.
Bevor jede Planke genau anliegt, muss sie vier bis fünf Mal abgenommen und gedechselt werden - das ist Schwerstarbeit.

Die letzte Plankenreihe besitzt die stattliche Höhe von 4,80 m. Dazu wurde die Halle um 1,20 m angehoben und aufgestelzt.


Der imposante Nachbau der Kogge wird durch 16 000 handgeschmiedete Edelstahlnägel zusammen gehalten. Edelstahl gab es zwar im 14. Jahrhundert nicht, aber Eisennägel wurden damals schon verwendet.
StapellaufStapellaufStapellaufStapellauf
20 000 Besucher kamen am 29. Mai 2004 zum feierlichen Stapellauf. Der Nachbau wurde auf den stolzen Namen "Wissemara", benannt nach einem kleinen Bach östlich der Stadt, getauft. Danach hob ein Kran die Kogge ins Wasser.

Nach dem Stapellauf wurden die Innenausbauten wie im Mittelalter auf dem Wasser im Hafen in Angriff genommen. Abweichend von der Historie erhielt das Schiff unter Deck einen Maschinenraum, Unterkünfte und Aufenthaltsräume. Im Achterkastell befinden sich Räume für die Schiffsführung, Navigationsraum, Kombüse, Lasten- und Stauräume.

Die "Poeler Kogge" wird durch den gleichnamigen Förderverein betrieben. Sie liegt als Museumsschiff im Hafen von Wismar und dient im Rahmen von maritimen Höhepunkten als "Kultureller Botschafter zur See". Für Jugendliche werden erlebnispädagogische Reisen angeboten.

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