Quallen in der Ostsee

Geräuschlos und anmutig schweben sie wie gallert­artige Unterwasser­pilze durch unsere Meere: Quallen. Sie gehören zu den ältesten Tieren der Erde und sind in allen Weltmeeren vertreten. Die hervor­ragenden Jäger und Lebens­künstler glänzen mit einer enormen Anpassungs­fähigkeit.

Quallen in der Ostsee

Quallen gehören zu den Nessel­tieren und werden in Schirm- und Würfel­quallen unterschieden. Weltweit gibt es ca. 2 500 bekannte Arten. Ihre Größe variiert zwischen einem Millimeter und mehreren Metern.
Zwar machen sie Schwimmbewegungen, sind jedoch stark an die Strömung des Meeres gebunden.

Nachfolgend stellen wir Ihnen einige Arten vor, die in der Ostsee heimisch (geworden) sind.

Ohrenqualle

Die Ohrenqualle gehört zur Klasse der Schirm­quallen und besitzt einen flach gewölbten Schirm. Er ist mit vier ringförmigen Geschlechts­organen (Gonaden) versehen. Abgehend von Schirm hängen vier gardinen­artige Mundarme.
Nach ihrer Befruchtung legt die Ohrenqualle Eier ins offene Wasser, aus denen sich im Entwicklungs­verlauf Larven bilden, die später zu sogenannten „Medusen“ werden.

Ohrenqualle
Größe 20-30 cm
Merkmale Schirm weiß bis gelblich
rotviolette Gonaden bei Weibchen, weiße bis rotorange bei den Männchen

Gelbe Haarqualle

Sie wird aufgrund ihres Aussehens häufig auch „Feuerqualle“ oder „Löwenmähne“ genannt. Gelbe Haarquallen leben in kleineren Schwärmen und ernähren sich hauptsächlich von Plankton, welcher sich in ihren fast unsichtbaren, teilweise mehrere Meter langen Tentakeln verfängt. An diesen sitzen Nessel­zellen, die bei Berührung haut­reizendes Nesselgift freisetzen.
Erfahren Sie hier mehr zur „Feuerqualle“.

Gelbe Haarqualle
Größe bis 1 m
Merkmale Schirm dunkelrot bis gelb

Becherqualle

Diese Quallenart ist der Klasse der Stiel- oder Becher­quallen zuzuordnen. Ihr Schirm ist flach und an seinen Rändern befinden sich Tentakel­arme mit jeweils acht Büscheln von Nessel­kapseln, die in einem Radanker an den Einbuchtungen des Schirms münden. Ihre Farbe ist an die Farbe der Seegräser und Algen, auf denen sie lebt, angepasst. Mithilfe ihres Saugfußes setzt sie sich am Untergrund fest, den sie beliebig wechseln kann.

Größe bis zu 3 cm breit und 5 cm hoch
Merkmale Schirmfarbe variiert zwischen grau, gelb und braun
Schirm mit einem Stil ausgestattet

Meerwalnuss

Die Meerwalnuss gehört zur Klasse der Tentaculata und ist durchsichtig-transparent, meist jedoch etwas milchig getrübt. Sie gehört zu den Arten, die im Dunkeln blaugrünes Licht erzeugen können. Dieses ist dann in acht leuchtenden Linien am Rand des Körpers zu sehen.
Bei der Meerwalnuss handelt es sich um eine eingeschleppte Art, die ursprünglich in subtropischen Gewässern an der Atlantik­küste von Nord- und Südamerika verbreitet ist.

Größe bis zu 1,1 cm
Merkmale rundlich bis birnenförmiger Körper, häufig mit warzenartigen Vorsprüngen

Glas-Lappenqualle

Diese Rippenqualle gehört zur Klasse der Tentakel­rippen­quallen und hat ihr Verbreitungs­gebiet auf der Nord­halbkugel, in der Bretagne bis zum Nordkap, dem Wattenmeer und der westlichen Ostsee. Sie hat einen kugeligen Bau mit kleinen Klappen und ist ein Fressfeind der Meerwalnuss.

Größe bis zu 15 cm
Merkmale kugeliger Bau mit kleinen Klappen

Seestachelbeere

Die Seestachelbeere ist eine Rippen­qualle, die zur Klasse der Tentaculata gehört. Mit ihren bis zu 75 Zentimeter langen Tentakeln fängt sie Plankton. Zudem kann sie mit ihrer Mund­öffnung auch an der Wasser­oberfläche Organismen fangen. Sie ist eine sehr robuste Art, weshalb sie in fast allen Weltmeeren und auch im Brackwasser vorkommt.

Größe bis zu 3 cm
Merkmale kugelig bis eiförmiger Köper mit acht Längsrippen

Rippenquallen

Vom Aussehen her stark an Quallen erinnernd, bilden Rippen- oder Kamm­quallen zoologisch betrachtet einen eigenen Stamm im Tierreich, da ihnen die für Quallen charakteristischen Nessel­zellen fehlen. Weltweit sind 100 verschiedene Arten bekannt. Rippen­quallen fangen mit ihren Tentakeln Plankton, Tierlarven, Würmer, Krebse, Nessel­tiere, andere Rippen­quallen und selten auch kleine Fische. In der Regel sind sie farblos und werden meist nur ein paar Zentimeter groß. Aufgrund der hohen Empfindlichkeit ihrer Körper sind viele Arten der Rippenqualle noch nicht genau erforscht. Viele Rippen­quallen­arten können im Dunkeln Licht erzeugen.


Der Quallenkörper

Quallen bestehen zu 98 Prozent aus Wasser und haben weder ein Gehirn noch Knochen. Dafür besitzen sie ein hoch­entwickeltes Nerven­system und Sinnesorgane. Ihr Körper besteht aus zwei Zell­schichten, zwischen denen eine Stützschicht aus Gallert liegt, welche die Qualle mit Sauerstoff versorgt. Aus der Unterseite des Schirms ragt der Magenstiel, an dessen Ende die Mundöffnung sitzt. Der größte Teil der Quallen hat mit Nessel­kapseln ausgestattete Fangarme (Tentakel), die sie zum Jagen und Tasten verwenden.

Nahrung

Die Hauptnahrung von Quallen besteht aus Plankton, wobei größere Arten auch kleine Fische oder Krebse fressen. Sie nutzen ihre Tentakel um die Nahrung zur Mundöffnung zu befördern und so zu vertilgen.

Vorsicht giftig!

Die wohl giftigste Qualle ist die australische Seewespe, eine Würfel­quallenart, die vor allem vor der Nord- und Ostküste Australiens sowie im westlichen Pazifik lebt. Nahezu jedes Jahr kommt es zu tödlichen Unfällen durch Berührung der hochgiftigen Tentakel.

An deutschen Stränden sind Quallen und Nesseltiere allerdings ungefährlich, auch wenn der Haut­kontakt mit den Tentakeln der sogenannten „Feuerqualle“ zu schmerzhaften Hautreizungen führen kann.


Weitere Informationen zu Tieren und Pflanzen an und in der Ostsee


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