Günter Grass-Haus

Ein Literaturmuseum stellt sich vor

Im Jahre 2002 öffneten sich die Türen des Günter Grass-Haus in der Lübecker Innenstadt zum ersten Mal für Einheimische und Besucher: In seiner Funktion als Ausstellungs- und Forschungsstätte gibt das Museum Aufschluss über Grass' einzigartige Doppelbegabung als bildender Künstler und Autor. Parallel dazu berichten zahlreiche Veranstaltungen und Sonderausstellungen über das Leben und Werk vieler bedeutender Schriftsteller und Künstler – hunderte von Besuchern wurden bereits in die Phantasiewelten von Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse, Gottfried Keller, Arno Schmidt, Ernst Barlach, Robert Gernhardt oder John Lennon entführt.
Grass selbst lebte von 1986 bis 2015 in der Nähe der Hansestadt, allerdings befand sich sein Sekretariat in der berühmten Glockengießerstraße.
Besonders reizvoll sind der Skulpturenhof und der Museumsgarten. – Hier genießen Sie künstlerisches Flair – bei einem Buch oder beim Entspannen in der Sonne...
Günter Grass-Haus in der Hansestadt LübeckGünter Grass-Haus Innenhof

Sammel- und Forschungsstelle

Das Günter-Grass-Haus verwahrt einen beachtlichen Bestand aus dem Schaffen des Nobel­preisträgers: Mehr als 1 300 originale Zeichnungen, Lithographien, Aquarelle, Radierungen und zahlreiche Manuskripte werden für die interdisziplinäre Forschung in der Glocken­gießer­straße verwahrt. Darüber hinaus verwaltet das Grass-Haus eine Forschungsbibliothek und ein Medien- und Sammlungsarchiv. Forscher und Ausstellungsmacher aus der ganzen Welt besuchen regelmäßig das Archiv in Lübeck.
2016 konnte der gesamte Sammlungsbestand digitalisiert werden. Dank der digitalen Erfassung ist es nun möglich, einen ganzheitlichen Blick auf einzelne Werke von Günter Grass zu werfen: Einerseits können Forscher alle im Museum vorhandenen Fassungen eines Textes unmittelbar abrufen und den Entstehungsprozess verfolgen. Auf der anderen Seite kann man in Presseartikeln und wissenschaftlichen Aufsätzen nachlesen, wie der Text aufgegriffen und verstanden wurde.
Skulpturenhof und Museumsgarten Günter Grass-HausSkulpturenhof und Museumsgarten Günter Grass-Haus

"Das Ungenaue genau treffen": Leben und Werk neu beschreiten

Seit Oktober 2012 erweitert sich für Besucher der Blick auf das umfassende Schaffen von Günter Grass. Sein künstlerisches und schriftstellerisches Talent tritt in den Zusammen­hang mit Themen, die Grass' Leben und Werk kontinuierlich begleiten und beeinflussen: Geschlechterverhältnisse, bildende Kunst, politisches Engagement, die Auseinander­setzung mit dem Nationalsozialismus und Skandale rücken mit dem erneuerten Museumskonzept zusätzlich ins Licht der Betrachtung. Dabei wird dem Besucher die Schwierigkeit, ein derart umfassendes Werk der Öffentlichkeit nahezubringen, nicht verschwiegen: Zu Beginn des Rundgangs sind Sie dazu eingeladen, sich an einem symbolischen Schreibtisch in die Rolle des Kurators zu versetzen und sich seinen Überblick über Grass' Gesamtwerk und die zentralen Motive der Ausstellung zu verschaffen.
Ausstellungsstücke im Günter Grass-Haus
Das interaktive Museumskonzept ermöglicht es Ihnen, selbst zu entscheiden, in welcher Reihenfolge und wie intensiv Sie sich mit den einzelnen Themen beschäftigen möchten. Viel Raum für Kuriositäten aus dem Werk und Leben von Günter Grass lässt das digitale Memory-Spiel: So erfahren Sie beispielsweise, welche Rolle die Schlümpfe in Grass' Schaffen spielen oder warum einst eine Ratte in seinem Kühlschrank lag. Ganz neu ist auch die Auseinander­setzung mit der politischen Dimension einzelner Texte, die in der Öffentlichkeit zu kontroversen Diskussionen anreg(t)en.
Jedes Jahr wird pünktlich zum Geburtstag von Günter Grass ein Modul aus der Sammlung ausgetauscht.

Nachdem bereits die Themen "Sexualität im Werk von Günter Grass", "Grass als Soldat" und "Günter Grass und die Ostsee" im Mittelpunkt standen, wird seit Mitte Oktober 2016 besonderes Augenmerk auf "Grass und die Kochkunst" gelegt.

Ausstellungsräume mit Kuratorentisch im Günter Grass-Haus

Von Schnecken, Fischen, Köchen, Nonnen und der Neugier

Die glitschigen Tiere, der "Meister der Kochtopffreuden" und die Ordensfrau tauchen immer wieder im schriftstellerischen Werk des Nobelpreisträgers auf. Auch der Grundgedanke der neuen Grass-Ausstellung nimmt darauf Bezug: Leitmotiv der neuen Sammlung ist ein Porträt von Grass, der dicht vor seinem linken Auge ein Schneckenhaus hält und durch das Gehäuse hindurchzublicken scheint - ein Symbol dafür, immer genau hinzuschauen, sich sein eigenes Bild zu machen und neugierig zu bleiben.
Günter Grass mit SchneckenhausGünter Grass mit Schneckenhaus

Aktuelle Sonderausstellung:

Verschiedene Ansichten: Böll und Grass.

21. Februar bis 31. August 2017

Als Günter Grass und Heinrich Böll sich 1957 kennenlernten, war das der Beginn einer jahrzehntelangen Korrespondenz, die erst mit Bölls Tod ihr Ende fand. In diesem Jahr wäre Böll 100, Grass 90 Jahre alt geworden. Das Günter Grass-Haus befasst sich in der Sonderausstellung "Verschiedene Ansichten" noch bis Ende August mit den beiden Literaturnobelpreisträgern, die viele Gemeinsamkeiten hatten.
Beide teilten die Fronterfahrung des Zweiten Weltkriegs und waren nicht nur prominente Autoren, sondern auch engagierte Bürger: Als Personen des öffentlichen Lebens bezogen sie zu wichtigen gesellschaftlichen Themen Stellung, erfuhren dabei viel Zuspruch, aber auch massive Ablehnung. Beide trugen mit ihrer schriftstellerischen Arbeit und ihrem bürgerlichen Engagement maßgeblich dazu bei, dass nach dem Krieg deutsche Literatur und Kultur im Ausland wieder anerkannt wurde. Doch noch stärker war das Verhältnis der Autoren von verschiedenen Ansichten geprägt – vor allem in politischer Hinsicht.

Heinrich Böll, Schema der Erzählung "Ende einer Dienstfahrt", 1966 © Erbengemeinschaft Heinrich Böll, Samay BöllGünter Grass, Werkplan "Treuhand" © Günter und Ute Grass Stiftung  Steidl Verlag
Anhand verschiedener Originalexponate und Zeitdokumente begleitet die Schau die Autoren zurück an die Front, an ihren Schreibtisch, in die Fremde und schließlich in die lichten und dunklen Seiten der Öffentlichkeit. Zu den interessantesten Ausstellungsobjekten zählen neben den Nobelpreisurkunden, Werkplänen und Aquarellen vor allem die persönlichen Gegenstände der Schriftsteller.

Fotos: Erbengemeinschaft Heinrich Böll; Samay Böll / Günter und Ute Grass Stiftung, Steidl Verlag


Öffnungszeiten:

01.04. bis 31.12. Täglich 10:00-17:00 Uhr
01.01. bis 31.03. Dienstag bis Sonntag 11:00-17:00 Uhr

An Feiertagen:
geöffnet: Osterfeiertage, 1. Mai, Himmelfahrt, Pfingstsonntag, Pfingstmontag, 3. Oktober, 2. Weihnachtsfeiertag
geschlossen: Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester, Neujahr

Führungen
jeden ersten Sonntag im Monat von 14:00 bis 15:00 Uhr sowie auf Anfrage

Kontakt

Günter Grass-Haus
Glockengießerstraße 21
23552 Lübeck

Telefon: 0451 1224230

Veranstaltungstermine

07.06.2017 Lesung: Clemens Meyer
Clemens Meyer liest aus seinem Erzählband "Die stillen Trabanten".
Zeit:ab 19:30 Uhr
Infos/Tickets:0451 1224230

Weitere Termine finden Sie auf unserer Seite "Veranstaltungen"!

(alle Angaben ohne Gewähr)

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