






Noctalis ist die moderne Ergänzung zum Naturdenkmal Kalkberghöhle in Bad Segeberg, dem größten deutschen Winterschlafquartier für rund 22 000 Fledermäuse. Noctalis in Kombination mit der Höhle, 25 km Fledermaus-Erlebnispfaden im Stadtgebiet und der bereits laufenden Erforschung der Tiere durch die Universität Gießen machen Bad Segeberg zu Deutschlands Fledermausmetropole.
Fliegen - der älteste Traum der Menschen. Im Dunkeln sehen können - nichts bleibt mehr verborgen. An der Decke laufen können statt nur auf dem Boden. Schlafen nicht im Liegen, sondern im Hängen. Fledermäuse können das alles. Einzigartig unter den Säugetieren. Und sie sind nahe mit uns Menschen verwandt - näher als gedacht.


Fliegen ist die beste Möglichkeit, um in kurzer Zeit große Strecken zu überwinden. Das Schwierigste am Fliegen ist der Start: Viele Vögel müssen Anlauf nehmen. Fledermäuse haben mit ihrer hängenden Lebensweise die eleganteste Art zu Starten gefunden: Sie lassen sich einfach fallen - und schon haben sie ihre Reisegeschwindigkeit erreicht. Weil aktives Fliegen mit Höhengewinn so schwierig ist, hat die Natur es nur viermal erfunden: Mit Hautflügeln bei den Insekten, mit dem ganzen Arm bei Sauriern und Vögeln und mit der Hand bei den Fledermäusen.
Wer Feinde hat und sich nicht gut verteidigen kann, der
muss sich verstecken. Das größte und gleichzeitig beste Versteck
ist die Nacht.
Dieses "Zeitfenster"-Versteck haben die Fledermäuse zu ihrer ökologischen
Nische gemacht. Nachts können sie Nahrungskonkurrenten und Beutegreifern
leichter ausweichen, und nachts herrscht ein besonderes Nahrungsangebot.
Wer nachts unterwegs ist, braucht ein anderes Orien-
tierungssystem: Die Fledermäuse haben dazu die Ortung mit Ultraschallechos
erfunden. Millionen Jahre, bevor die Menschen Ultraschallbilder für die
Medizin erzeugen konnten.
Was für Säugetiere und Vögel schwer zu sehen ist - Fensterscheiben!
- zeigt sich im Hörbild einer Fledermaus als massives Hindernis.
Hängend leben hat seine Tücken: Wie werden die Jungen geboren und
aufgezogen? Auch das haben die Fledermäuse gelöst: Bei der Geburt
dient die Schwanz-
flughaut als Sicherheitsnetz und die Nabelschnur als Sicherheitsleine. Die
Neugeborenen haben schon riesige Füße mit scharfen Krallen zum
Festhalten. Und wenn doch mal eines abstürzt, trägt es die Mutter
wieder hinauf zum Hangplatz.



Lange vor dem Menschen haben sie eine Art "Geburtenkontrolle"
erfunden: Die Weibchen entscheiden je nach Nahrungsangebot, ob sie nach
der Balz Jungtiere austragen wollen.
Auf den kalten Winter müssen sich die Tiere noch raffinierter einstellen:
Nach der Aufzucht der Jungen im Sommer fressen sich unsere Fledermäuse
schnell ein Fettpolster an, bis sie fast das Doppelte wiegen. Nur so können
sie sicher über den Winter kommen. Überkopf hängend verschlafen
sie in unseren Breiten die kalte Jahreszeit.
Ihre Körpertemperatur sinkt auf rund 6 °C herab und ihr Herz
schlägt nur noch 10 bis 25 mal pro Minute. Unter-
brechungen des Winterschlafs bedeuten lebensbedrohliche Energieverluste.
Die Fledermaus-Ausstellung hat ganzjährig geöffnet. Die Segeberger Kalkberghöhle können Sie nur in den Sommermonaten besuchen. Von Anfang Oktober bis Ende März ist sie geschlossen, um die Fledermäuse in ihrem Winterquartier nicht zu stören.
(alle Angaben ohne Gewähr)
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